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Die Rückkehr der Produktion: Warum Made in Germany wieder im Trend ist
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Lange Zeit galt es als unausweichlich: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, mussten Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern. Niedrigere Löhne, günstigere Rohstoffe und geringere regulatorische Hürden machten Länder wie China, Vietnam oder Indien zu den bevorzugten Produktionsstandorten.
Doch dieser Trend kehrt sich allmählich um. Immer mehr Unternehmen holen ihre Produktion nach Deutschland oder zumindest nach Europa zurück. Der Grund dafür liegt nicht nur in steigenden Kosten in Asien, sondern auch in geopolitischen Spannungen, instabilen Lieferketten und einer veränderten Kundenwahrnehmung.
Doch ist diese Entwicklung nachhaltig? Bedeutet sie wirklich eine Renaissance für „Made in Germany“? Und welche Herausforderungen müssen Unternehmen meistern, um die Produktion hierzulande langfristig wieder attraktiv zu machen?
Made in Germany: Warum Unternehmen ihre Produktion zurückholen
Instabile Lieferketten und geopolitische Unsicherheiten
Die COVID-19-Pandemie hat die Schwächen der globalen Produktion schonungslos offengelegt. Unternehmen, die stark von Zulieferern aus Asien abhängig waren, standen plötzlich ohne Material da – und konnten nicht mehr liefern.
Die massiven Verzögerungen und Störungen haben viele Unternehmen gezwungen, ihre Strategie zu überdenken:
- Halbleitermangel: Besonders die Automobilbranche wurde hart getroffen. Ohne Chips keine Produktion – viele Werke mussten ihre Bänder stoppen.
- Containermangel und explodierende Transportkosten: Die Preise für den Transport von Containern aus China haben sich zwischenzeitlich verzehnfacht.
- Zölle und Handelskonflikte: Der Handelskrieg zwischen den USA und China sowie politische Spannungen zwischen Europa und Russland haben gezeigt, wie riskant es ist, wenn ein Großteil der Produktion in einem einzigen Land konzentriert ist.
Die Lösung? Weniger Abhängigkeit von globalen Lieferketten, mehr Kontrolle über Produktionsprozesse und ein stärkerer Fokus auf lokale Fertigung.
Automatisierung macht Deutschland als Produktionsstandort wieder wettbewerbsfähig
Einer der Hauptgründe für die Produktionsverlagerung nach Asien waren die niedrigen Lohnkosten. Doch mit zunehmender Automatisierung und Robotik wird dieser Vorteil immer weniger relevant.
- Moderne Fertigungsanlagen benötigen weniger menschliche Arbeitskraft.
- KI und Automatisierung können viele Prozesse effizienter und günstiger machen.
- Digitale Produktionsmethoden ermöglichen eine kosteneffiziente Fertigung auch in Hochlohnländern.
Beispiel: Adidas hat mit seinen „Speedfactories“ in Deutschland gezeigt, dass eine vollständig automatisierte Produktion möglich ist. Schuhe werden dort in wenigen Stunden gefertigt – schneller, effizienter und ohne teuren Transport aus Asien.
Zudem steigt die Nachfrage nach „Just-in-Time“-Produktion, also der Fertigung direkt am Verbrauchsort, um Lagerkosten und Transportzeiten zu reduzieren.
Nachhaltigkeit und veränderte Kundenpräferenzen
Kunden sind heute kritischer denn je. Woher kommt ein Produkt? Unter welchen Bedingungen wurde es hergestellt? Wie hoch ist die CO₂-Bilanz?
Produkte mit dem Label „Made in Germany“ genießen weltweit nach wie vor einen exzellenten Ruf. Sie stehen für:
- Höchste Qualitätsstandards und Langlebigkeit.
- Faire Arbeitsbedingungen und soziale Verantwortung.
- Nachhaltigkeit durch kürzere Transportwege und strenge Umweltauflagen.
Immer mehr Konsumenten sind bereit, einen höheren Preis für Produkte zu zahlen, die lokal und nachhaltig produziert wurden. Unternehmen, die das frühzeitig erkennen, profitieren von einer wachsenden Zielgruppe, die bewusst einkauft.
Beispiel: Outdoor-Marken wie Vaude setzen gezielt auf eine nachhaltige Produktion in Deutschland – und nutzen dies als Verkaufsargument.
Herausforderungen für Unternehmen: Ist der Wandel wirklich machbar?
Obwohl viele Faktoren für eine Rückverlagerung sprechen, gibt es auch Herausforderungen:
- Fachkräftemangel: In Deutschland fehlen Arbeitskräfte für technische Berufe und industrielle Fertigung.
- Hohe Energiekosten: Deutschland hat im Vergleich zu anderen Ländern hohe Strompreise, was die Produktionskosten erhöht.
- Bürokratie: Strenge Regulierungen und lange Genehmigungsverfahren machen den Produktionsaufbau komplex.
Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Unternehmen auf innovative Produktionsmethoden, Digitalisierung und Automatisierung setzen.
Made in Germany: Die Zukunft der Industrie liegt wieder in Europa
Die Rückkehr der Produktion nach Deutschland ist kein kurzfristiger Trend – sie ist eine strategische Entscheidung für mehr Unabhängigkeit, Qualität und Nachhaltigkeit. Unternehmen, die diesen Schritt jetzt gehen, profitieren langfristig von stabileren Lieferketten, einem besseren Markenimage und steigender Nachfrage nach lokal produzierten Waren.
Made in Germany hat nicht ausgedient – es erlebt ein Comeback.
